Trotz grosser Hitze wurden am Flüchtlingstag in Winterthur und in den Tagen davor fast 5000 Namen von Menschen geschrieben, die auf der Flucht ums Leben gekommen sind.

Miteinander «Shelters» finden am Flüchtlingstag Winterthur 2026
Während des Namenlesens sass ich im Zelt neben einem jungen Mann aus Gambia, der vor zwei Jahren Zuflucht in der Schweiz suchte. Jedes Mal, wenn der Name eines Menschen aus Gambia verlesen wurde, zuckte ich innerlich zusammen – und das geschah mehrmals. Er hörte aufmerksam zu und blieb sitzen. Ich fragte ihn, wie er das aushalten könne.
Wir kamen ins Gespräch. Er lebt seit zwei Jahren mit dem Status N in der Schweiz. Es gebe nur wenige Orte, sagte er, an denen er einfach sein und als Mensch wahrgenommen werden könne. Die Sprachkurse tuen ihm gut. Später bedankte er sich für die Begegnung. Er blieb den ganzen Tag vor Ort und half als Freiwilliger mit. Vielleicht hatte er einen Ort gefunden, an dem er Verständnis und Schutz erlebte – ganz im Sinne der Kunstinstallation «Shelters» von Verena Bühler, die eindrücklich in den Bäumen zu sehen war.
Rund 90 Freiwillige engagierten sich am Flüchtlingstag. Im Herbst werden sie gemeinsam ein weiteres Fest feiern: Geflüchtete und Menschen ohne Fluchtgeschichte. Dieses Miteinander prägte auch das Podium, auf dem Menschen von ihren Begegnungen erzählten und einander Mut machten, den gemeinsamen Weg hier in Winterthur weiterzugehen.
(Anna Degen, Fachstelle Migration der Reformierten Kirche Winterthur)





